Kirchenmusikdirektor Dr. Neithard Bethke ist ein Allround-Talent
Dirigent von Orchestern, Chören... ...und der Feuerwehr "So wie ein Jongleur sein Publikum mit Überraschungen in Atem hält, gelingt es auch Ratzeburgs Kirchenmusikdirektor Neithard Bethke, die Menschen immer wieder zu erstaunen" verbreitete die dpa kürzlich in mehreren Presseartikeln. Weltweit bekannt und anerkannt ist seine Organistentätigkeit am Dom zu Ratzeburg in Schleswig-Holstein und in den Zentren der Orgelmusikpflege im In- und Ausland. So gab er vielbeachtete Orgelkonzerte u. a. in Hongkong, Sydney, Melbourne, Singapur, Moskau, Alma Ata, New York, Montreal, Buenos Aires und in nahezu allen europäischen Ländern. "Ein Pyrotechniker auf der Orgel" betitelte eine Rezension jüngst ein Konzert Bethkes.
Neithard Bethke ist seit 44 Jahren Kirchenmusiker...
Ebenso bekannt ist er im europäischen Raum (bis weit hinein in die ehemalige UdSSR) als Dirigent an den Pulten renommierter Sinfonieorchester und an großen Opernhäusern. So dirigierte er in letzter Zeit Stravinskis "Feuervogel", Richard Strauß' "Till Eulenspiegels lustige Streiche" mit der Staatsphilharmonie Alma Ata mit derselben überlegenen Nonchalance, wie er "La Boheme" von Pucchini, "Carmen" von Bizet oder Mozarts "Figaros Hochzeit" insbesondere an polnischen Opernhäusern dirigiert hat. "Der letzte tätige Vulkan Norddeutschlands", hieß es nach einer Opernaufführung in einer Kritik über den Dirigenten Bethke.
International ist auch sein Wirken mit fähigen Amateurchören und berühmten professionellen Chören. Viele von diesen Ensembles hat der hochtalentierte Chorpädagoge auch nach Deutschland geholt und in eindrucksvollen Konzerten bewiesen, mit welcher feurigen Leidenschaft er die Chöre immer wieder zu höchsten Leistungen beflügeln kann.
Diese "feurige Leidenschaft" mag davon herrühren, daß der Künstler auch noch - man soll es nicht für möglich halten - Kommandant einer großen und erfolgreichen städtischen Freiwilligen Feuerwehr ist und hier seine blauberockte Hundertschaft im Einsatz genau so souverän dirigiert wie jene in den Orchestern oder Chören. Für seine auch hier gezeigte Einsatz- und Leistungsbereitschaft (er rettete ohne Rücksicht auf eigene körperliche Unversehrtheit mehrmals persönlich Menschen aus scheinbar aussichtslosen Situationen) wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen, wie man mit dieser Auszeichnung gleichzeitig seine umfassende Wirksamkeit als herausragender Kulturbotschafter seines Landes in der Welt würdigen wollte.

...und seit 38 Jahren Feuerwehrmann
Zudem ist Bethke auch begeisterter Privatpilot. Viele seiner Konzertreisen hat er selbst am Steuerknüppel einer Cessna oder Robin durchgeführt. Als in Australien der Linienflugverkehr durch einen Pilotenstreik lahmgelegt worden war, konnte Bethke seine Konzerttermine nur einhalten, weil er selbst mit einer Chartermaschine von Konzert zu Konzert flog. Auch in Südamerika hat er seine Konzertverpflichtungen zum Teil nur mit dem Privatflugzeug einhalten können, aber dadurch einen großen Teil von Argentinien und Chile aus der Vogelperspektive kennengelernt.
Selbst promovierter Musikwissenschaftler, Theologe und Historiker, ist Neithard Bethke auch als Buchautor bekannt geworden. Grundlegend ist seine Kirchenmusikgeschichte des XX. Jahrhunderts in Deutschland unter besonderen Aspekten. Bethke selbst sieht aber den Hauptakzent seiner vielfältigen Tätigkeiten im Komponieren. Etwa 55 Kompositionen entstanden in seinen 55 Lebensjahren, darunter Werke für großes Orchester, Orgel, Kammermusiken und Lieder. Viele seiner Werke sind in renommierten Musikverlagen gedruckt und herausgegeben worden. Uber 45 Schallplatten und CD's halten seine Kompositionen für die Nachwelt ebenso fest wie seine vielseitige Tätigkeit als Interpret von Werken anderer Komponisten.
In seiner Freizeit widmet er sich engagiert seiner großen Haustiersammlung (Pferde, Ponys, Gänse, Tauben und Kaninchen, Zwerghühner) und seinem früher einmal angestrebten Beruf als Orgelbauer. So geht eine größere Anzahl von Orgelneubauten von den Planungen an seinem Schreibtisch aus.
Seit 44 Jahren ist Bethke festangestellter Kirchenmusiker und seit 30 Jahren in Ratzeburg als Domorganist tätig. Er baute die renommierten Dommusiken auf, die Sommer-Akademie für junge Künstler, schuf mit dem Domchor und dem international bekannten Deutschen Bach-Orchester, welches früher seinen Sitz hier bei uns in Köln hatte und nun in Hamburg beheimatet ist, dem Bethke seit 1981 als Chef vorsteht, namhafte Ensembles, die überregionale und internationale Wirksamkeit entfaltet haben. Eng ist seine Zusammenarbeit mit dem Schleswig-Holstein Musikfestival unter der Leitung Franz Willnauers geworden, mit dem er auch 1998 wieder Konzerte durchführt. Dazwischen liegen seine eigenen Auftritte. Die Gastspiele führen ihn demnächst wieder nach Alma Ata, Köln, Wien, Reykjavik, St. Petersburg, Grenoble und Danzig, wo er Orgelkonzerte gibt, Opern einstudiert oder beim Aufbau von neuen Orgeln mitwirkt. Sprichwörtliche Freundlichkeit und Humor hat sich der Vater von vier Kindern und Ehemann einer Oratorien-Sopranistin und Gesangspädagogin bewahrt, obwohl er mit ätzendem Sarkasmus auf Unehrlichkeit im zwischenmenschlichen Bereich reagieren kann wie auf Unmusikalität in seinem Hauptberuf, den er mit der gleichen Intensität ausübt wie alle hier genannten Tätigkeiten und der ihm immer noch Berufung ist. (wgs)
Kölner Stadtanzeiger anläßlich eines Konzertes von Neithard Bethke im März 1998 |