Montag, 11. Dezember 2017

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Chronik - Teil 2 PDF Drucken E-Mail

An der Totentanz-Orgel der St. Marien-Kirche in Lübeck im Jahr 1964Das vorzeitige Ende der Schulzeit im Jahr 1962 – ich hatte keine Zeit mehr für Schularbeiten und widmete mich fast ausschließlich dem Notenlernen und Orgelspielen an der „neuen“ alten Orgel – wurde markiert mit der am Schleswiger Dom extern abgelegten C-Kirchenmusiker-Prüfung, deren Zeugnis nur eine einzige Note „gut“ im Singen („Wir können ihn ja nicht dafür bestrafen, dass Gott ihm eine so scheußliche Stimme geschenkt hat!“ war die einhellige Meinung der Prüfungsjury)), ansonsten aber ausschließlich die Prädikate „sehr gut“ enthielt. Einen Monat später begann ich ohne weitere Aufnahmeprüfung – das Zeugnis war ja eindeutig – das Kirchenmusikstudium an der Schleswig-Holsteinischen Musikakademie und Norddeutschen Orgelschule in Lübeck.

Musikalischer Chef des "Hansischen Kammerorchesters Hamburg/Lübeck" 1965Drei Jahre später legte ich das zweite Kirchenmusikexamen, die B-Prüfung, ab und begann danach parallel zum weiterführenden Kirchenmusikstudium die Hauptfächer Orchesterdirigieren und Komposition zu belegen. In Hamburg hatte ich schon länger intensiven und hervorragenden Klavierunterricht bei der schon legendären Pianistin Ina Krieger. Endlich! Schon zwei Jahre lang war ich zu jener Zeit schon Assistent und zweiter Organist an der St. Marien-Kirche unter meinem erst heimlichen und dann „unheimlichen“ Lehrer Professor Walter Kraft, den ich immer öfter in den großen Gottesdiensten in St. Marien Lübeck, aber bald auch in Konzerten an der damaligen Totentanzorgel und dann auch an der in dieser Zeit neu installierten großen Orgel im Westwerk vertrat. Ebenfalls im Jahre 1965 gründete ich, um mit einem guten Orchester ständig arbeiten zu können, das Hansische Kammerorchester Hamburg-Lübeck e. V. mit Sitz in Hamburg, welches sich aus Berufsmusikern aus diesen beiden Hansestädten und aus fortgeschrittenen Instrumentalisten der Hochschulen zusammensetzte. Mit diesem Orchester bespielten wir im Laufe der Zeit den ganzen norddeutschen Raum. Erst als ich im Jahre 1981 das Deutsche Bachorchester übernahm, lief dieses Ensemble langsam aus bzw. wurde von mir personell in das Bachorchester überführt.

Dirigat des Rundfunk- und Fernsehorchesters Madrid/Spanien 1966Das Orchesterdirigieren machte mir Freude, und es schien mir so, als ob ich beim Dirigieren noch mehr musikalische Aussage erreichte als beim Orgelspielen. Ich beeilte mich, das Dirigierhandwerk zu vervollkommnen. Ich fand in dem berühmten Dirigenten Igor Markevitch, der zu jener Zeit (1966) Chefdirigent des Radio- und Fernsehorchesters in Madrid war, einen sehr strengen, jedoch großartigen und verständnisvollen Lehrer und Förderer. Die Lehrzeit in Spanien, die von außerordentlichem Erfolg für mich gekrönt war, endete mit mehreren öffentlichen Orchester-Dirigaten. Doch es war auch Igor Markevitch und seinem Assistenten und meinem späteren Freund Herbert Blomstedt (später Chefdirigent beim NDR-Orchester Hamburg) zu verdanken, dass ich noch im selben Jahr zu einem zweiten überragenden Orgellehrer kam: Pierre Cochereau, dem Organisten von Notre-Dame/Paris, der mit diesen beiden Dirigenten sehr befreundet war. Man war der Meinung, nachdem mich beide bei einem Orgelkonzert in der Kathedrale von Santiago de Compostela gehört hatten, dass ich auf jeden Fall das Orgelspiel weiterpflegen solle, ich wäre auch da eine herausragende Begabung, besonders in der Kunst der Improvisation. Am 15. August 1966 (Mariae Himmelfahrt) spielte ich in Paris Maitre Cochereau im Festgottesdienst nach einem von ihm ad hoc gegebenen Thema vor. Danach nahm er mich bewegt in die Arme und dann in seine Orgelklasse auf.

Igor Markevitch gratuliert seinem Meisterschüler Neithard Bethke 1966Mehrmals konzertierte ich in den Folgejahren in Notre Dame/Paris, immer waren hier unvorstellbare 3000 bis 4000 Hörer anwesend. Eine Freude war es mir, einmal zu so einem Konzert auch aus Ratzeburg den Freund Uwe Steffen mit Frau Hille und den befreundeten Kreisarchivar Dr. Hans-Georg Kaack mitnehmen zu können, damit sie so an meinen spektakulären musikalischen Erfolgen auch einmal persönlich teilnehmen konnten. Die Freude damals war für uns alle vollkommen, als der mir ebenfalls befreundete Intendant Rolf Liebermann, der damals an der Pariser Oper den „Parsifal“ von Wagner (meiner Kapellmeisterprüfungsoper) inszeniert hatte, uns Freikarten für die dortige zeitgleiche Premiere zugesteckt hatte. Orgelkonzert in der Kathedrale von Santiago de Compostela/Spanien 1966Frischgebackener Kapellmeister 1967 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Jahr 1967 legte ich das Staatsexamen als Kapellmeister in Lübeck ab, und ein Jahr später – trotz einer ernsthaften langwierigen Hand- und Armverletzung – das A-Staatsexamen als Kirchenmusiker. Im gleichen Jahr noch immatrikulierte ich an der Staatlichen Musikhochschule in Freiburg/Brg., kam in die Orgelklasse von Prof. Walter Kraft, mit dem Ziel, dort nach mehrsemestrigem Studium meine Konzertreifeprüfung als Orgelspieler abzulegen.

Student in Freiburg/Breisgau 1968Domorganist zu Ratzeburg 1969

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach mehrmonatigen Vakanzvertretungen an der Stadtkirche in Preetz und in Hamburg-Mundsburg an der St. Gertrud-Kirche war ich im April 1967 von der St. Nicolai-Kirche in Wöhrden zu der Bodelschwinghkirche in Lübeck gewechselt, um auch zeitlich den Anforderungen des offiziellen Studiums besser gerecht werden zu können. Klosterhof-Konzert 1970Zwei Jahre später wurde ich von der mecklenburgischen Landeskirche (durch Bischof Niklot Beste, zu dem ich zeitlebens in bestem, fast familär zu bezeichnenden Verhältnis stand, welches in den Folgejahren von beiden Seiten gleichermaßen auf seinen Sohn Hermann, dem späteren Bischof Beste junior, nahtlos übertragen wurde) an den Ratzeburger Dom berufen. Von den beiden Bestes pflegte man bezeichnenderweise in Kirchenmusikkreisen zu singen: „So weiß und glaub ich feste, und rühm’s auch ohne Scheu, dass Gott der Höchste, und Beste mein Freund und Vater sei…“ Das kann ich persönlich nur dankbar bestätigen: Sie waren Bischöfe zum Verehren, Bewundern und Liebhaben! So etwas soll es geben! Mein späterer wunderbarer Freund, Bischof Karl Ludwig Kohlwage aus Lübeck, war und ist bis heute für mich persönlich ein ähnliches Kaliber. Großartig! Und ganz zu schweigen von meinem so engen Freunde Bischof Dr. Heinrich Rathke in Schwerin. Bei einem seiner spärlichen Westbesuche habe ich ihn einmal in meine kleine Privatmaschine gesetzt und ihn dann an die damalige Grenze zur DDR pilotiert, so dicht – es war wegen der ADIZ natürlich nicht erlaubt –, dass wir für die sowjetischen Abfangjäger interessant wurden. Viel später ist unsere Freundschaft auf den Prüfstand gekommen, In Ratzeburg 1972und sie hat sich gehärtet und bewährt bei gemeinsamen Unternehmungen in Kasachstan. Unvergesslich ein Orgelkonzert in der Philharmonie Alma Ata, in dem zum ersten Mal seit 1917 sich über 1000 Kirchenabgeordnete der evangelischen Gemeinden aus ganz Russland zu einem Festorgelkonzert zusammengefunden hatten – bis dahin war die Kirche verfolgt worden –, ich den Kairos des Augenblicks erfasste, das gedruckte Konzertprogramm unterbrach, und alle Anwesenden aufforderte, zusammen mit der Orgel einzustimmen in den Choral „Nun danket alle Gott“, dann „Lobe den Herrn“ und schließlich „So nimm denn meine Hände“! So etwas hatte keiner der Anwesenden je erlebt. Orgeln gab es für die im weiten russischen Raum verstreuten Gemeinden bis dahin nicht, solche großen gemeinsam singenden Gemeinden auch nicht. Hier war mit einem Male erlebte Communio Sanctorum spürbar: ein bewegender, bis an das Lebensende unvergesslicher Moment!

Im Jahre 1973Von Anfang an war mein Ziel, hier am Ratzeburger Dom ein „Mekka der Kirchenmusik“, so titelte einmal punktgenau die Tageszeitung „Die Welt“ in ihrem Feuilleton, zu schaffen. Auf den drei Schienen a) große Orgelmusik (dafür war erst einmal der Bau von drei hervorragenden Orgeln notwendig), b) beispielhafte Oratorienkonzerte (dafür war erst einmal ein Chor aufzubauen und das Hansische Kammerorchester, die Hamburger Symphoniker und später sogar das Deutsche Bachorchester dem Dom zuzuführen), und c) Ausbildungskurse in Form von alljährlichen Sommerakademien anzubieten sowie mit mindestens einmal monatlich durchgeführten entfalteten Musikgottesdiensten ist dieses weitgehend gelungen. Wenn man die finanziellen Grenzen in Betracht zieht, die noch weitergehende Wünsche nicht ermöglichten, kann man heute bei den Ratzeburger Dommusiken von „wohlbestallter Kirchenmusik“ im anspruchsvollen Bach’schen Sinne sprechen, wie sie als vorbildlich und von vielen erstrebenswert eingestuft wird. Die nahe Zonengrenze, die damals noch Deutschland in zwei Hälften teilte und auch die Mutterlandeskirche vom Dom abtrennte, hatte durchaus unerhörten Einfluss auf das Leben in Ratzeburg und auf die Dommusiken. Jedoch gelang es mir bald, den Dom zu einem einzigartigen musikalischen Treffpunkt von Ost und West in der Bundesrepublik Deutschland zu machen. Künstler und komplette Ensembles aus ganz Osteuropa waren hier immer wieder zu Gast, was damals vor der Wende fast unmöglich erschien und großes Staunen nicht nur in der musikalischen Fachwelt, sondern auch auf politischer Ebene erweckte, sogar ein gewisses Misstrauen beim deutschen Staatsschutz auslöste – beim ausländischen sowieso! –, so dass ich mehr oder weniger offen argwöhnisch von diesen Dienststellen des Innenministeriums bei diesen Ost-Aktivitäten beobachtet wurde. Ich habe mich – nachdem ich schnell diese „Überwachung“ bemerkte, oft sehr gut nach meinen zahlreichen Osteuropareisen mit den betreffenden, sich meist mit falschem Namen vorstellenden Überwachern aus den im Innenministerium angesiedelten Abteilungen angefreundet.

Richard von Weizsäcker zu Besuch in Ratzeburg

Privates Orgelkonzert für Richard von Weizsäcker

 

 

 

 

 

 

Begegnung mit Bundespräsident Richard von Weizsäcker in Berlin

Musikalischer Chef des Deutschen Bachorchesters 1981 

 

 

 

 

 

zur Chronik Teil 3

 

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