Montag, 11. Dezember 2017
Home arrow Publikationen arrow Abschiedsrede als Wehrführer

Hauptmenü
Home
Biographie
Kompositionen
Akad. Hochschulchor Zittau
Deutsches Bachorchester
Europäischer Konzertchor
Orgel/Cembalo/Klavier
Fotodatenbank
Termine 2017
Termine (Archiv)
Discographie
Publikationen
Wirken im Ratzeburger Dom
Sommerakademie
Coll. Vocale "Europa Cantat"
Künstler
Pressespiegel
Kontakt
Impressum
Abschiedsrede als Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Ratzeburg PDF Drucken E-Mail
am Sonnabend, den 18. September 2004

Liebe und verehrte Gäste,
liebe Feuerwehrkameraden- und Kameradinnen!

Präambel:
27 Jahre im Führungskader der Ratzeburger Feuerwehr als Gruppenführer, Zugführer, Stellvertretender Wehrführer und als Wehrführer gewirkt zu haben, sollte Grund genug sein, mir für jedes der verflossenen Jahre je 1 Minute Redezeit zuzubilligen. Sie wissen also schon jetzt, wie lange ich sprechen werde - zum letzten Mal – zum letzten Mal ---.

---- „Zum letzten Mal wird nun Appell geblasen!“


So zündend und zutreffend auch für den heutigen Tag und für mich insbesondere heißt es in einem Marschlied aus der Zeit des Dritten Reiches, weshalb es  auch heute zu Recht verboten ist, nichtahnend übrigens, daß die gesamte Melodie und große Teile  des an sich unverfänglichen Urtextes von einem hervorragenden zeitgenössischen deutschen Dichter stammen, nämlich Hermann Claudius, und dann von einem Nazi usurpiert, das heißt gestohlen und zweckentfremdet wurden.

"Zum letzten Mal Appell geblasen!“ heißt es auch für Euch, liebe Ratzeburger Feuerwehrkameraden, nämlich der letzte Appell unter Eurem heute scheidenden Wehrführer. Ich stehe hier, fast ungläubig, daß das mühselige Werk des Planens, Durchsetzens und Bauens nun endlich geschafft ist, in einem wunderschönen Hallenbau, welcher der Feuerwehr nun übergeben ist. Ich gestehe, ich komme mir, der ich diese Feuerwehrhalle ja nicht mehr als Wehrführer benutzen und mit meinem bescheidenen Geist ausfüllen kann, ich komme mir vor wie weiland im Alten Testament Moses, der jahrelang die Israeliten durch die Wüste führte, und über den es im 5. Buch Mose im 32. Kapitel heißt:

„Und der Herr redete mit Mose und sprach: Geh auf den Berg Nebo im Gebirge Abarim, der da liegt im Lande Moab gegenüber von Jericho, und schaue auf das Land Kanaan, das ich den Kindern Israel zum Eigentum geben werde. Dann stirb auf dem Berg. Denn Du selbst sollst nicht mehr in das Land einziehen, sondern nur Dein Volk, das Du so treu geführt hast. Aber Du darfst es wenigstens einmal sehen.“

Mein für Euch bestimmtes Land Kanaan, die Frucht von über 10 harten und zum Teil bitteren Jahren des Kampfes, des Überzeugens, des unerbittlichen Durchsetzens  ist hier nun heute mit dieser festlichen Einweihung in Betrieb genommen und wird dem Wohl unserer Stadt und der umliegenden Region dienen. Ich habe Euch, meine Kameraden, den richtigen Weg bis hierher freigekämpft,  gezeigt und durchgefochten, oft unter Hintansetzung von meinem eigentlichen Beruf, von Familie und von eigener Gesundheit: Jetzt zeigt Euch dieses großartigen Baues, der Euch in den Schoß gelegt wurde, ohne daß eine zu große Zahl von Euch – Gott sei´s geklagt und nicht verschwiegen - dafür auch nur einen einzigen Finger krumm gemacht hat, für würdig.

Mir persönlich jedoch, der ich besonders, nachdem die notwendige Entscheidung des jetzigen Standortes gefällt sein mußte, hat es durch das mir unverständliche, selbstsüchtige, maßlose, verantwortungslose  und uneinsichtige Verhalten einiger Kameraden, auch in der Führungsriege übrigens, im wahrsten Sinne des Wortes das Herz zerrissen, zumindest ein gut Teil dazu beigetragen. Denn es ist Keinem ein Geheimnis, daß ich meine Arbeit in der Feuerwehr genauso wie in meinem Beruf und allem, was ich tue, immer rückhaltlos und mit vollem Herzblut geleistet habe. Nicht wenige von denen, welche an meinem von Euch so wunderbar und unvergeßlich  gestalteten 60. Geburtstag noch einhellig „Hosianna“ schrieen mit der Bitte, ja noch bis zum 65. Lebensjahr der Feuerwehrführer zu bleiben, schrieen vier Monate später nach dem von mir als allerletzte Chance erkannten und dann durchgefochtenen Entscheid, daß die neue Feuerwache, wenn es denn überhaupt noch eine geben sollte, in der Weststadt stehen würde, genauso lautstark, wenn auch durchaus nicht mehr einmütig: „Kreuzige ihn!“ Ich befinde mich damit, wie Ihr unschwer merkt, in bester Gesellschaft von Jesus, dem Ähnliches  weiland in Jerusalem passierte.

Glaubt Ihr denn etwa, daß das, was sich heute hier als neue schmucke Feuerwache  der Freiwilligen Feuerwehr Ratzeburg präsentiert, eine Selbstverständlichkeit ist? Daß sie eine normale  Verpflichtung, welche die Stadt ja pflichtgemäß der Feuerwehr gegenüber zu erfüllen hat, darstellt? Daß sie ein Selbstgänger war? Glaubt Ihr denn, daß es ein Zuckerschlecken war, die Verwaltung und die Politiker davon zu überzeugen, daß so ein Gebäude als Herz und Ausgangspunkt eines auch christlich zu nennenden Helfens, Schützens und Beistehens  - denn das ist sie doch schlußendlich, die Aufgabe der Feuerwehr  -   dringendst erforderlich war? Ja, dieses – nebenbei gesagt - auch gegen eine Partei durchzusetzen, die das Wort christlich in ihrem Emblem  beinhaltet, aber nicht so handelte und einstimmig gegen diese Feuerwehrumbauten votiert hat? Meint Ihr, das Geld zum Bauen und Ausstatten ist uns in den Schoß gefallen, wo überall die Kassen leer sind und eine finanzielle Besserung nicht auch nur entfernt absehbar ist? Haben einige von den Kritikern immer noch nicht die Zeichen der Zeit zur Kenntnis genommen, die überdeutlich menetekeln: So wie bisher geht es nicht mehr weiter! ?

Dieses Anspruchdenken vergangener Jahre hat heute keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft. Ich möchte an dieser Stelle  - und wo denn besser als hier  und bei diesem freudigen Anlaß – nicht nur Euch Feuerwehrkameraden, sondern allen Gästen, der anwesenden Politik und der Verwaltung noch einmal versuchen zu skizzieren, wo wir denn eigentlich stehen, die wir so leicht immer dem Gestern nachjammern, ohne mutig die notwendigen Schritte nach vorne zu tun.

Die Älteren von uns erinnern noch genau die Zeit des Aufbaues nach dem Kriege, in der  die wirtschaftlichen Steigerungsraten  jedes Jahr einen Aufschwung ohne gleichen in der deutschen Geschichte dokumentierten. Man nannte es Wirtschaftswunder. Alles war auf Wachstum eingestellt, unser  Portemonnaie ebenso wie unsere Wünsche im beruflichen und persönlichen Leben.  In der Ratzeburger Feuerwehr wurden in dieser Zeit Fahrzeuge, die noch aus dem Weltkrieg stammten, ersetzt durch den „Opa“, unserem  guten alten Rundschnauzer-Tanker von Magirus, und dann konnte sich die Stadt und die Feuerwehr bald schon über die erste Drehleiter freuen, die 1965 ankam und gleich am nächsten Tag schon ihren ersten Einsatz bei einem Feuer im  „Seegarten“ absolvierte. Die alten Heeresatmer, wie sie von uns genannt wurden, konnten durch neuangeschaffte Dräger-Preßluftatmer ersetzt werden. Geld war da, oder wurde beschafft.

Als ich im Jahre 1969 von der Ratzeburger Feuerwehr übernommen wurde aus meiner alten dithmarscher Wehr, kam bald der erste Magirus-LF 8 an, und mein Freund Helmut Haase wurde Gruppenführer darauf. Der erste mit noch sehr gut erinnerliche Schock kam, als plötzlich im Jahre 1974 die Ölkrise uns autofreie Sonntage bescherte. In der Feuerwehr kam eine heftige Diskussion und große Unruhe auf, ob wir im Alarmfall denn überhaupt mit unserem Privatwagen zur Feuerwache fahren durften. In der Hamburger Berufsfeuerwehr, wo ich damals in der Feuerwache Innenstadt Dienst tat, waren uns sonst gewohnte Übungsfahrten strikt untersagt.

 Selbstverständlich, daß wir selbstlos und kostenlos wochenlange Nachbarschaftshilfe im Jahre 1975 leisteten, als es zu katastrophalen Waldbränden im niedersächsischen Raum kam. Umso erstaunlicher ist dieses Faktum, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Stadt Ratzeburg heute wie fanatisch hinterher ist, daß schon jeder kleinste Ölspureinsatz möglichst kostenpflichtig gemacht werden soll, um Geld in das leere Stadtsäckel zu füllen, damit quasi die Feuerwehr zum Erfüllungsgehilfen des Zwangsvollstreckers degradierend.

Mit Beginn meiner Amtstätigkeit als Stellvertretender Wehrführer konnte ich, weil mir sehr schnell vollverantwortlich die gesamte Ausbildung und Beschaffung anvertraut wurde  von meinem engen Freund und damaligen Vorgesetzten HBM Wilhelm Kahmke, der heute leider nicht mehr unter uns sein kann, sozusagen noch aus dem Vollen schöpfen, wenn auch jedes Mal viel Überzeugungsarbeit bei den Stadtvätern und anderen Zuschußgebern vonnöten war. Zunächst bekamen wir zusätzlich zu den blauen Stoffeinsatzuniformen schwarze Kunststoffschutzmäntel. Ein doller Fortschritt, dachten wir, endlich werden wir einmal nicht so naß beim Einsatz. Dann folgten, weil es Vorschrift wurde, die rot-organge-farbenen Einsatzjacken, die manchmal auch noch heute getragen werden – besonders von einem von uns, weil er den Zeitenwechsel noch nicht bemerkt hat! -, schließlich waren wir praktisch die erste Wehr im Kreis, die komplette Schwarze Schutzanzüge in leichter und schwerer Ausführung anschafften, wie wir sie noch heute tragen. Dazu kam die finanzielle Sicherstellung der Stadt zur notwendigen Fahrzeugbeschaffung. Sämtliche  Fahrzeuge samt ihrer Beladungsausstattung, die Sie heute in unserer Wache bewundern können, sind in der Planung über meinen Schreibtisch gelaufen.

Darauf bin ich stolz und dafür bin ich dankbar. In zwei Jahresetappen war inzwischen auch Geld von der Stadt zur Verfügung gestellt worden, weil wir die die Bevölkerung erschreckenden  heulenden Feuersirenen abschafften und den sogenannten Stillen Alarm einführten mit den neuartigen, erst sehr skeptisch beäugten Funkmeldeempfängern. Notwendige Gelder waren für Neuanschaffungen immer schwer zu bekommen, aber letztendlich waren sie da! Im Grunde ging alles ständig aufwärts.
    
Nun jedoch am Beginn des 21. Jahrhunderts sehen viele Menschen – aber auch die Stadt Ratzeburg - ihre eigene wirtschaftliche Entwicklung gerade umgekehrt, von oben nach unten. Oder vom vermeintlichen Glück zum Unglück. Wer ist davon nicht betroffen? Auch in den Reihen der Feuerwehr wird die häusliche Not beengender, werden an sich festgeglaubte Berufsstellen gekündigt, ist vielleicht ein schon eingeleiteter Hausbau nicht mehr weiterzufinanzieren.  Wir kommen von einem hohen Wohlstands- und Versorgungsniveau, getragen von einem jahrzehntelangen Wirtschaftswachstum, aber – und man darf davor die Augen nicht verschließen - von einer unfaßbaren, erschreckenden Staatsverschuldung.

„L´état, c´est moi – Der Staat, das bin ich“ ! sagte der französische Sonnenköning Ludwig der XIV.  Für uns gilt als demokratisch erzogene Bürger dieses immer noch ähnlich, aber wir haben dafür einen anderen modernen Slogan: „Wir sind das Volk!“ Es meint aber das gleiche. Die ernüchternde logische Konsequenz jedoch ist diese: Wir  - ich und Du – wir persönlich haben die Lasten der Staatsverschuldung zu tragen und abzutragen, wollen unsere Kinder denn noch in lebensfähiger sozialer Umgebung aufwachsen.  Also, nicht weit weg in Bonn oder in Berlin ist der Staat verschuldet, sondern ich bin es, Du bist es, die Stadt Ratzeburg ist  es– diese ganz besonders – das Land usw.

 Warum akzentuiere ich dieses? Unter diesen plötzlich hautnah und einen ganz persönlich  betreffenden Finanznöten trotzdem so eine – sagen wir es ruhig – luxeriöse und fantastische Feuerwache zu bauen, wie sie ihresgleichen im ganzen Lande sucht – ist ein nicht nur  strategisches Wunder, welches  heute nicht mehr zu realisieren wäre! Das kann keiner bestreiten, auch keiner der Skeptiker und Kritiker. Und es gelingt nur, wenn man als treibende Kraft von etwas überzeugt ist und wenn man den Mut und die Ausdauer hat, dieser Überzeugung unabänderlichen Ausdruck zu verleihen, unerschütterlich, bis man heute endlich auf der Zielgeraden einläuft.

Als Motor und Initiator des ganzen Feuerwehrbaues, der für mich durch die Amtsübernahme als Wehrführer eine notwendige innere Verpflichtung bedeutete, war ich persönlich aufgerufen zur Tat. Ich habe mir immer selbst gesagt: Lieber werde ich etwas Großes wagen – und versagen, als im Nichtstun erfolgreich zu sein. Denn welche Zukunft verbaue ich mir und meiner mir unterstellten Feuerwehr, wenn ich die einzig als möglich erscheinende Chance nicht ergreife und nutze! Immer wieder habe ich einige verständige Feuerwehrkameraden  beschwörend zu überzeugen versucht: Es ist wirklich unsere einzige Chance, die sog. Steffel-Halle für unsere Feuerwehrzwecke umzubauen. Wirf im feuerwehrmäßigen Sinn Dein Morgen, Deine Zukunft  nicht weg, weil Du mich in dieser Feuerwehrsache nicht unterstützt. Es wird etwas Großes nur dann wirklich, wenn Du es durch  Deine Mithilfe ermöglichst. Erst in zweiter Linie geht es hier um Geld. Es geht um Werte des
Lebens, die nicht käuflich sind. Gott sei Dank haben mich doch einige unter uns sitzende Kameraden verstanden. Ich vergesse es ihnen nie.

Die einseitige Ausrichtung auf Wirtschaftswachstum, die oft rücksichtslose Jagd nach dem Geld unter Aufopferung von moralischen und ethischen Grundprinzipien erzeugte, wie alle Einseitigkeiten das als Naturgesetz zu tun pflegen, aus sich selbst heraus dem Umschwung in das Gegenteil. Trotzdem haben in unserer Zeit viele Menschen geglaubt, vor allem in der Politik, das Wirtschaftswachstum sei unendlich. Mit den Fortschritten und Erkenntnissen der Wissenschaft und der Technik seien alle Probleme zu lösen. Wenn jedoch die Forderungen, die Ansprüche und die  Belastungen des Einzelnen höher steigen als die Leistungen, geht es zwangsläufig bergab. Die derzeitige Politik in Staat, Land und Stadt gleichermaßen, hat dieses viel zu spät zur Kenntnis genommen bzw. viel zu spät darauf reagiert.  Darum projeziert die Bevölkerung mit Recht, wenn auch manchmal überzogen, ihr Unbehagen auf die Politik.

Das ist zwar verständlich, aber einseitig gesehen, denn der einzelne Bürger selbst war zur Umkehr auch schwer bereit.  Oft entstand doch der Eindruck, Politik werde vorbei am Bürger gemacht oder sogar gegen ihn. Die derzeitige Lage unseres Sozialstaates macht  unbequeme Einschnitte unumgänglich. Vielen von uns war das schon vor Jahren bewußt, als Politiker beispielsweise noch behaupteten, die Renten seien sicher. Und die gesetzliche Krankenversorgung sei noch durch Mittel der Kostendämpfung zu retten. An derartigen unhaltbaren Versprechungen hat die Glaubwürdigkeit der Politik arg gelitten.

Warum dieser kleine Ausflug in das Grundsätzliche? Weil vergleichbar  die kommunale Politik bei uns als Feuerwehr fast ihre gesamte Glaubwürdigkeit verspielt hatte, wenn sie über 10 Jahre immer wieder Versprechungen abgab, die sie nicht eingehalten hat, man denke z. B.  – jetzt kommt die „kaiserliche Werft“, wie man so schön sagt - an den einstimmig positiv verabschiedeten Magistratsbeschluß zur Einstellung eines hauptamtlichen Schirrmeisters im Jahre 1995, den wir immer noch nicht haben und der ebenso bitter notwendig ist, wie es diese Feuerwache auch war. Denken wir an die jahrelange Verschleppung des Feuerwachenbaues, bis jedweder Plan überhaupt nicht mehr durch die Kostenexplosion einerseits und die Finanzverknappung andererseits zu realisieren war. Und das Ganze vor dem Hintergrund ständig wachsender Einsatzzahlen, daß die Marge heute nicht mehr bei  noch nicht einmal 70 Einsätzen pro Jahr liegt, wie bei meinem Eintritt in die Ratzeburger Feuerwehr im Jahr 1969, sondern sich permanent jährlich der Zahl dreihundert nähert.

Zur Unglaubwürdigleit von Entscheidungsträgern bei Politik und Verwaltung führte dann auch das Schwinden von Selbstkritik bei gleichzeitiger höchster Kritik an Anderen. Das ist das Gleiche in Berlin wie in Ratzeburg, um immer schön am eigenen Herd zu kochen. Die Opposition heißt sich gut und besser wissend mit massiver Kritik an der regierenden Exekutive, diese heißt sich gut und besser wissend, dazu auch besser handelnd als die Opposition, besser aber auch als die Leistungsträger  in der Bevölkerung. Dabei hat in Ratzeburg der  Leistungsträger Feuerwehr  unter meiner Führung fehlerfrei, effektiv und vorbildlich gearbeitet, und wenn ich als Euer aller Fire-Chief am Orte war, ist es in Ratzeburg trotz mancher gefährlichen Situation – man denke an den Brand des Alten Rathauses, welches heute noch  äußerlich fast unbeschadet steht - zu keinem Großbrand von Möllner Dimensionen gekommen.

Trotzdem haben es Besserwisser gewagt, die Arbeit der Feuerwehr in Frage zu stellen, kaum ernstzunehmende aber ernstgemeinte  Gedankenspiele unternommen,  die Teile unseres Aufgabengebietes wie Wasserrettung, Gefahrgutzug oder First Responder - Abteilung wegzuplanen und einzustampfen in Aussicht stellten. -. Sogar mit jener Meinung fand  ich mich in der Verwaltung und Politik konfrontiert, als ich auf ein die Stadt verpflichtendes Landesfeuerwehrgesetz hinwies, und mit den darin enthaltenen auf die Kommune übertragenen Pflichtleistungen, daß man dann ja einfacher das Feuerwehrgesetz ändern könne, nur, um aus dem städtischen finanziellen Schneider und den gesetzlichen Verpflichtungen herauszukommen. Ein schier unglaublicher und illegaler Vorgang. Die meisten von Euch Ratzeburger Feuerwehrkameraden haben von all diesen Hintergrundkämpfen kaum etwas mitbekommen, und das mußte ja auch nicht sein, denn dafür hattet Ihr  ja Euren Feuerwehrführer für solche Aufgaben gewählt, der sich dafür kompetent gemacht hatte und Angst nur vor dem lieben Gott hat. Feuerlöschen kann jeder, aber die andere Arbeit mußte auch absolviert werden – und muß auch von meinem Nachfolger im Amt in Zukunft gemeistert werden, will er nicht zum willkürlichen Spielball von Verwaltung und Politik werden..

Den Parteienstreit in Ratzeburg in puncto Feuerwehr habe ich manchmal nicht anders empfinden können, eben, weil wir unsererseits ausschließlich  ganz berechtigte und unüberzogene Ansprüche erhoben haben, als ein ganz persönliches Machtstreben  und eine Profilierungssucht Einzelner, und zwar auf Kosten der Feuerwehr. Das ist zu beklagen. Anscheinend erzeugt aber der andauernde Streit mehr Probleme als er löst. Denjenigen großartigen Kommunal-Politikern und Parteien jedoch, die uns gerade bei diesem Feuerwehrbau in vollem, fast blinden Vertrauen auf meine Anträge und meine Argumentationen unterstützt haben, kann ich hier und heute nicht genug nachdrücklichen Dank aussprechen.

„Wir wollen sein ein  einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen noch Gefahr“, ließ einst Friedrich Schiller seinen Wilhelm Tell im gleichnamigen Schauspiel ausrufen. Gilt das nicht erst recht für uns in dieser Zeit des Umbruchs, der Staats- und persönlichen Verschuldung, der unsicheren Arbeitsmarktlage, der Sorge um die Zukunft für Familie, Haus und Beruf? Gilt das aber nicht auch, was im Großen für alle Bürger im Staat gilt, im Kleinen auch für  unsere Ratzeburger Feuerwehr?  Wenn ihr nicht einig seid und Euch endlich einig werdet, liebe Kameraden in der Feuerwehr, und dankbar zur Kenntnis nehmt, was Euch an Hab und Gut der Bevölkerung, aber auch an diesem neuen Feuerwehrbau, und nicht zuletzt mit einer verläßlichen Kameradschaft anvertraut ist, und ihr nicht eng zusammensteht in aller Not und Gefahr, werdet ihr untergehen und zu einem x-beliebigen Schießbuden-Verein, unter Umständen zu einer bedeutungslosen Feierwehr degradieren. Dazu muß man, um das vorauszusehen, kein Prophet sein.

Nicht ohne tiefen Grund findet man immer noch einmal in Feuerwehrchroniken, Brandberichten und Fachzeitungen über die Feuerwehr folgende gleichlautende Worte wieder: bereit – Dank – Dienst – Elemente – Ehre – Eintracht – Einsatz – Freiwilligkeit – Fahne – Flamme – gebot – geloben – Glut – Gefahr – helfen – Heimat – Herz – Kameradschaft – Kampf – Kraft – Liebe – Losung – Mut – Pflicht – Opfer – retten – Ruhm – Stolz – selbstlos – Schutz – Treue – Tod – Tat – tapfer – weihen – Ziel   und viele andere mehr.

Nicht wahr, es sind große, verpflichtende Worte über uns, die sichernde Leitplanken für unseren eigenen Feuerwehrweg sein könnten. Vielleicht haben ja doch manchmal diejenigen Recht  unter Euch gehabt, die nicht am Biertisch mit Euch zusammen saufen und Stammtischparolen aufschnappen und weitergeben als der Weisheit letzten Schluß, sondern Euch in größerer Weitsicht auch schmerzende Wahrheiten gesagt haben, die Eure bisherigen, fast schon bequemen, eingelaufenen  feuerwehrbezogenen Lebensabläufe in Frage stellten.

Wenn auch, wie sie alle merken,  ein großer, heiliger  Ernst hinter unserer Arbeit steht, heißt das noch lange nicht, daß bei uns kein Humor herrscht und wir nicht ausgesprochen lebenslustig sein können. Das ist nicht nur heute so, daß war es auch schon in den Gründungszeiten unserer Feuerwehr. Beispielsweise fand ich in einer im Jahre 1892 gedruckten historischen Feuerwehrzeitschrift neulich dieses aufmunternde Gedicht, wobei ich vorher sicherheitshalber, weil es nicht so eindeutig aus den Zeilen deutlich wird, klarstellen muß: Es handelt sich in diesem Gedicht hier weder um unseren heutigen Bürgermeister noch um unsere alte, von handwerklich fähigen Feuerwehrkameraden fantastisch rekonstruierte Handdruckspritze, die man hinten in den Hallen bewundern kann.

1.    „Hört, wie einst ein Bürgermeister,
Klugschnabelius, mein ich, heißt er,
ein Gesetz gegeben hat,
daraus könnt ihr leicht ermessen,
daß er nimmer hat vergessen,
was gereicht zum Wohl der Stadt.


2.    Als in mitternächt´ger Stunde
er empfing die böse Kunde,
daß ein Haus in Flammen sei,
ließ er schnell die Spritze kommen;
doch zugleich hat er vernommen,
daß der Kessel wär´ entzwei.


3.    Darauf läßt er publizieren:
„Tut noch mal ein Brand passieren,
wenn man liegt im tiefen Schlaf,
wird, wie solches sich gebührt,
tags zuvor die Spritz´ probiert,
sonsten trifft euch schwere Straf!“


Zurück zum Ernst des allgemeinen Lebensumfeldes, in dem auch die Feuerwehr als Institution steht: Die Arbeitslosigkeit bleibt bedrückend hoch. Ich freue mich, daß ich nicht selten durch persönliche Beziehungen und Verhandlungen manchem Betroffenen aus der Feuerwehr beruflich helfen konnte, denn auch in unseren Reihen macht die Arbeitslosigkeit nicht Halt.  Eine Feuerwehr zu führen heißt für mich: Quasi Vater zu sein für die blauberockte Familie, zuzuhören, wenn einer von Euch mit Nöten kommt, zu helfen, soweit es möglich ist, aber auch nein zu sagen, wenn ein falscher und unrichtiger Weg begangen wird. Dennoch bleibt bei manchen punktuell geglückten Vermittlungsversuchen die Arbeitslosigkeit  bedrückend für die Arbeitssuchenden und für die gesamte Gesellschaft. Im überörtlichen Bereich wird die ständig angekündigte und notwendige Steuerreform  im Parteienstreit zerrieben, die Bürokratie wuchert und erdrückt in ihrem Selbstzweck jede Initiative  und jeden positiven Aufbruch. Darum gibt es diese positiven Impulse kaum noch, positive Impulse wie etwa bei diesem Feuerwehrneubau fallen schon direkt auf und aus dem üblichen Rahmen..

Das Vertrauen in die Politik sinkt auf einen nie gekannten Tiefstand. Man beobachte unter diesem Aspekt die Wahlbeteiligungen. Wer fleißig gearbeitet  und Teile seines Lohnes für das Alter zurückgelegt hat,  für sich und die eigenen Nachkommen, befindet sich im Fadenkreuz politischer Begehrlichkeiten. Weil „die da oben“, wie es immer so schön schwammig heißt - mit diesem Geld sofort wieder eigene Löcher  stopfen wollen. Viele Menschen haben deswegen Angst um ihre Existenz, um ihre Zukunft in diesem Land, um ihr Glück.  Nicht wenige geben die engere Heimat auf, um anderswo einen Beruf ausüben zu können, den sie gelernt haben. Das betrifft auch einige Kameraden aus unserer Feuerwehr, die deshalb uns für den hiesigen Einsatzdienst nicht mehr zur Verfügung stehen können.

Wir befinden uns zweifelsohne in einer wirtschaftlichen Abschwungphase und wir werden noch weiter fallen müssen, bis wir auf eine Linie kommen, die unterhalb der früheren finanziellen Durchschnittslinie stehen wird,  bis wir wieder Boden unter die Füße bekommen und unsere Aufbaukräfte sich sammeln. Bis dahin sind noch einige Schwierigkeiten zu bestehen.

 Viele Menschen, auch bei uns in der eigenen Feuerwehr – denn wir sind davon nicht ausgenommen – sind durch den vergangenen Wohlstands- und Versorgungswachstum verwöhnt gewesen und haben Ansprüche aufgebaut, die nicht mehr zu realisieren sind. Heute ist es schnell gesagt: Wir brauchen gefälligst einen neuen hauptamtlichen Schirrmeister! Bürgermeister und Politiker, schnellstens her damit! Aber:  Wer soll den bezahlen? Unbestritten, wir brauchen ihn. Ich bin ganz sicher, es gibt Lösungen, aber sie liegen nicht mehr so auf der Hand, wie früher, und da muß man als Wehrführer und als Feuerwehrmann sorgsamen Nachhilfeunterricht geben in einem Ton übrigens, den mancher in der Feuerwehr noch lernen muß, damit der Gesprächsgegner die Argumente auch akzeptieren kann. Mit einem plumpen und lautstarken Hau-Ruck ist nichts getan, wäre übrigens auch nichts bei den Planungen zu unserem Feuerwehrbau getan gewesen.

 Wir werden  an uns selbst arbeiten müssen, und wahrscheinlich  führt ein so immenser finanzieller Abschwung auch zu positiv  einzuordnenden Ergebnissen.  In der Zeit des finanziellen Wohlergehens ist zu oft wegen wuchernder Egoistik,
wegen des Mißbrauchs von Vergünstigungen und pekuniären Möglichkeiten, jedoch auch wegen des Verfalls von guter Erziehung und gesunden Familienverhältnissen, von solchen Lebenswerten abgerückt worden wie Treue, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Wahrheit, Ehrlichkeit, Kontinuität und Güte zum Nächsten, alles Tugenden, die zum Zusammenleben untereinander, auch in einer Feuerwehr,  unerläßlich sind und eigentlich selbstverständlich sein müßten und wie sie oben bereits  aufgeführt ja überall die Feuerwehren kennzeichnen! Ausschließlich in dieser Hinsicht verstehe ich  die Feuerwehr allerorts als vielzitierten, aber falsch verstandenen  äußerst wichtigen Kulturträger, und nicht, wenn er Aufgaben und Arbeiten zu seiner Lebensberechtigung anführt und übernimmt, die die örtliche Frauenhilfe und der Sport- und Taubenzüchterverein ebenso übernehmen könnten.

In Umkehrung des Verlustes von diesen genannten, innerlich verkümmerten Tugenden, meinte man nur weiterleben zu können mit wachsender Zufuhr äußerer Mittel, die nur mit viel Geld zu erwerben waren. Darum wurde das Einnehmen und Ausgeben von Geld zur zentralen Beschäftigung, bei einem selbst, in unserer Kommune, in unserem Staat. Weil dabei aber die konstruktiven Kräfte schwächer wurden, kam es zum Abschwung, an dem wir kräftig mitgeholfen haben, oder?

Meine Kameraden und meine Kameradinnen, werte Gäste,  das wahre Lebenswerte ist nicht mit Geld zu bezahlen. Darum braucht unsere heutige wirtschaftliche Lage nicht unbedingt eine Katastrophe zu sein. Nur dem, dessen Leben allein am Geld, am Vermögen  und an der Verschuldung orientiert ist, mag es zwangsläufig ein großes Unglück bedeuten. Doch kann diese Situation Anstoß zur Neubesinnung und zur Neuorientierung sein.

Es ist leicht, aus dem Vollen schöpfen zu können. Welche großen Pläne hatten wir, als es noch realisierbar zu sein schien mit der avisierten, bereits fast fertig geplanten großen 13 -  Millionen -  Mark – Wache an der Schmilauer Straße, für die ich sozusagen vier Jahre lang mit dem Architekten Wilhelm Kemper aus Unna und mit Wolf-Gunther Schönenberg und Herrn Klaus Laumanns aus Ratzeburg umsonst gearbeitet und immens viel Zeit und Kraft geopfert habe, was von vielen Kameraden heute gerne völlig vergessen wird, die mich nur als Vater der jetzigen neuen Wache sehen wollen.!

Doch macht die finanzielle Lage, aus dem Vollen schöpfen zu können, weder glücklich noch zufrieden. Oft entstand doch die  Tyrannei des Wünschenswerten, aber Unnötigen. Trotzdem scheint es viel schwieriger, mit knappen Mitteln auszukommen. Knappheit erfordert die Konzentration auf das Wesentliche, das Lebensnotwendige, ohne jede Vergeudung. In dieser neuen Wache ist dieses nun aber realisiert worden! Not macht erfinderisch, sagt ein altes Sprichwort, und es war manchmal sehr spannend für mich und meine Mitplaner, ohne viel Geld etwas Anständiges auf die Beine zu stellen. Das Ergebnis, meine ich, kann sich doch durchaus sehen lassen!

„Wie reich bin ich, weil ich viele Dinge nicht brauche“, sagte einst der griechische Philosoph Sokrates. Das bedeutet nicht Geiz. Geiz macht keinen glücklich, auch nicht den Geizigen selbst. Und Glück kann man nicht kaufen. Da muß man selbst etwas tun. Glück entsteht nicht aus Erwerb von Unnötigem, sondern von wirklich Notwendigem, aus Freude am trotz Schwierigkeiten letztendlich gelingenden  Gedeihen  innen und außen, aus Harmonie und Frieden. Wer glücklich sein will, wiederhole ich, muß selber etwas dazu tun, auch derjenige, der Mitglied in den Reihen der Feuerwehr ist. Welch ein Stolz und welch ein Glück für jeden persönlich aus den Reihen meiner Feuerwehr, der sich nicht zu schade war, selbst mit Hand anzulegen an der Vervollkommnung dieser schmucken Wache, auch wenn dieses Mitmachen aus dem Zwang geschah, weil kein Geld da war, diese notwendigen Arbeiten an Baufirmen zu geben. In dem Maße, wie ihr, liebe Kameraden,  mitgemacht habt, ist es Eure persönliche Wache geworden, und dieses Glück kann Euch keiner mehr wegnehmen, kann Euch auch keiner bezahlen. Glück ist nicht bezahlbar.  Besonders Ihr ca. zehn Mann etwa, die ihr runde vier Wochen unablässig geschuftet habt, um diese Wache zu vollenden, Ihr habt Euch selbst beglückt durch die von Eurer fleißigen Hand geschaffenen Vollendung, kein heißer Dank von mir kann diesen Einsatz aufwiegen. Und dann auch Dank an die weiteren etwa 20 Kameraden, die sich nach bestem Vermögen aus Beruf und Familie wegstahlen, um in letzter Zeit ebenfalls öfter kräftig mit Hand anzulegen zur Vollendung dieses Baues, auch Ihr seid sicher glücklicher als die, die gar nichts dazu beigetragen, als ihre eigene Einsatzuniform mühevoll aus der alten Wache zur neuen zu transportieren, nein, besser: haben transportieren  lassen. In Anlehnung an das Wort Jesu, zu dem von 10 von ihm geheilten Menschen nur einer zurückkam, um sich zu bedanken,  und den er fragte: „Waren ihrer nicht zehn?“, möchte ich im Hinblick auf das Helfen in der Endphase des Neubaus fragen: „Waren wir nicht ihrer neunzig?“

Mit achtsamer Verantwortung, bewußter, vergebender, dankbarer, selbstloser und beziehungsreicher Lebensweise auch unter uns Kameraden, mit aufrichtiger Freude am Gedeihen auch dieser neuen Feuerwache kommt uns, wie man so im Volksmund sagt,  das Glück ins Haus, eben auch in dieses neue Feuerwehrhaus. Und das Glück ist doch das entscheidende in unserem Leben, jenes innere Glück, welches auch die Lehren der Religionen weitergeben!

Nach diesen Grundsätzen habe ich versucht, in den über 27 Jahren in der Führungsriege der Freiwilligen Feuerwehr Ratzeburg, davon  12 Jahre als Wehrführer und fast ebenso lange als Stellvertretender Wehrführer mein Amt in vollem Bewußtsein der übernommenen Verantwortung auszuüben, und nach diesem Maximen auch meine mir unterstellten Leute auszurichten und zu beeinflussen. Ich glaube, daß es mir lange Zeit nicht schlecht gelungen ist. Die Kameradschaft unserer Freiwilligen Feuerwehr Ratzeburg war, ebenso wie es unsere gute Ausrüstung und unser technisches Vermögen ist, sprichwörtlich und überall anerkannt, dieses manchmal auch sehnsüchtig neidvoll. Und nur aus solchem von mir immer wieder beschworenen guten kameradschaftlichen Geist kann Großes und Leistung erwachsen. Doch stelle ich hier ausdrücklich fest: Ich ruhe mich nicht auf alten Lorbeeren aus. Ich fühle mich persönlich nicht getragen, von dem, was war und was vielleicht auch von mir geleistet wurde, sondern von dem, was ich morgen und in Zukunft tun werde. Ich werde nicht vom Gestern, sondern vom Morgen weiterleben.  

Nicht zu verschweigen ist aber auch als von mir als verantwortlichem Führer, der das Gemeinwohl im Auge haben muß, und der seinen Amtseid darauf abgelegt hat, nur das Wohl der Gemeinde im Auge zu haben und nicht etwa seine persönlichen Vorteile,  und der nicht engstirnig egoistisch denken und entscheiden durfte, als  die Entscheidung des Neubaus der Feuerwache in der Robert-Bosch-Straße vorangetrieben werden mußte, weil diese Entscheidung der einzig machbare Weg war, daß in diesem Augenblick plötzlich eigennütziges Denken in den Feuerwehrreihen um sich griff, geschürt sogar von einigen Führungskräften, die  eigentlich nahtlos hinter ihrem gewählten Führer zu stehen feierlich und öffentlich gelobt hatten, und plötzlich ein erst feiner, dann aber immer größer werdender Riß durch die Kameradschaft getrieben wurde, der mich sehr geschmerzt hat, und den kurzsichtig und leichtsinnig voranzutreiben in meinen Augen  verantwortungslos in höchstem Maße war.  So führt man keine Feuerwehr und/oder einzelne Gruppen davon!

Fortan hatte ich nach zwei Seiten zu kämpfen und Überzeugungsarbeit zu leisten, nach oben in die Kommunalpolitik, die Stadtverwaltung, dem Kreis und dem  Land, der Feuerwehrunfalllkasse und anderen Institutionen, und nach unten in den eigenen Reihen. Nur wenige blieben absolut treu und solidarisch bis auf den heutigen Tag. Das werde ich denjenigen nie vergessen! Sie haben mir einfach vertraut, und sie haben mit mir das heute hier zu bewundernde Endergebnis für das Allgemeinwohl im Auge gehabt. In der Bibel steht: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!“ Ich denke, daß der heute hier eingeweihte Baum meiner geleisteten Arbeit noch über Jahre und Jahrzehnte in unserer Feuerwehr gute Frucht geben wird.

Legen wird doch diese mich sehr bedrückende Begebenheit noch nicht ganz ad acta. Dafür war sie für mich  und auch für andere doch zu schmerzhaft. Ich habe es zugestandenermaßen nicht verwinden und verstehen können, als Ende vorigen Jahres eine lebensgefährliche Erkrankung von mir das zeitweilige Übertragen meiner Feuerwehrführungsarbeit auf  nachfolgende Dienstgrade gelastet werden mußte, daß – wie ich bei meiner Rückkehr als spürbares Ergebnis erkennen mußte -  meine Abwesenheit neben zum Teil auch guter und  in meinem Sinne geleisteter Arbeit ebenfalls dazu genutzt wurde, weiterhin nicht solidarisch als Ganzes zusammenzustehen, sondern den Riß noch zu vertiefen, versucht wurde, eigene und andere Wege zu gehen, als die, die ich als immer noch in der vollen Verantwortung Stehender nach besten Wissen und Gewissen vorgegeben hatte zum Wohle der Stadt und der der Feuerwehr, und nicht etwa zu meiner eigenen Reputation. Ein nur vielleicht symptomatisches Beispiel: Eine ohne mein Wissen und ohne jegliche Absprache mit dem für den Bau verantwortlichen Bauamtsleiter der Stadt  und ohne kompletten Vorstandsbeschluß bestellte Theke war anscheinend wichtiger geworden als die Lösung von auf den Nägeln brennender Fragen und Arbeiten wie etwa die Ausarbeitung neuer durch den neuen Standort erzwungener Einsatztaktikpläne. So, das sei jetzt aber endgültig abgehakt!

Liebe Gäste, sie werden es nicht wissen, aber für meine Kameraden habe ich jedes Jahr zur Weihnachtsfeier eine mehr oder minder nachdenkliche oder humoristische Geschichte verlesen, und zwar immer in Plattdeutsch, damit unsere schöne Muttersprache nicht ganz und gar vergessen werde. Im letzten Jahr konnte ich durch meinen Krankenhausaufenthalt dieser mir selbstgestellten Aufgabe nicht nachkommen. Zum Abschluß meiner heutigen Rede und meiner gesamten Wehrführertätigkeit will ich es aber jetzt nachholen, und weil sie mir wichtig ist, und weil jeder sie verstehen soll, werde ich sie  - leider – auf hochdeutsch zu Gehör bringen. Wenn ich eben sowohl egoistisches Denken als auch  Mitdenken an und für andere ansprach, wenn ich mich nicht scheute, auch in dieser Feierstunde noch einmal in allem Ernst deutlich zu machen, daß zuverlässige Kameradschaft und Freundschaft lebensnotwendig für jedes gedeihliches Zusammensein ist, wenn ich aufgezeigt habe, daß auch in einer Gemeinschaft wie der Feuerwehr persönliche Bequemlichkeit oder persönliche Vorteile, die eventuell aus gewissen Entscheidungen,  hier als Beispiel der Standplatz der Feuerwache genannt, hintanstehen müssen, wenn man denn Verantwortung zu tragen sich verpflichtet hat, und daß dafür das Gemeinwohl und die Gemeinnützigkeit im Vordergrund stehen muß, daß sich Verantwortlichfühlen für den Anderen, dann werden sie nun diese meine Abschiedsgeschichte  mit Spannung hören.

Meine Geschichte für Euch ist von dem brasilianischen Schriftsteller Paolo Coelho, den ich sehr gerne lese. Es ist eine Geschichte, die früher von den Eltern auf die Kinder überging, heute aber längst vergessen ist.

„Ein Mann, sein Pferd und sein Hund wanderten eine Straße entlang. Als sie nahe an einem riesigen Baum vorbeikamen, erschlug ein Blitz alle drei. Doch der Mann bemerkte nicht, daß er diese Welt bereits verlassen hatte, und wanderte mit seinen beiden Tieren, die seine besten Freunde waren, weiter. Manchmal brauchen die Toten etwas Zeit, bis sie sich ihrer neuen Lage bewußt werden. Die Wanderung war sehr weit, führte hügelan, die Sonne brannte, und sie waren verschwitzt und durstig. An einer Wegbiegung sahen sie ein wunderschönes marmornes Tor, das zu einem mit Gold bepflasterten Platz führte, mit einem Brunnen in der Mitte, aus dem kristallklares Wasser floß. Der Wanderer wandte sich an den Mann, der das Tor bewachte:
 „Guten Tag, ein wunderschöner Ort ist das hier, wie heißt er?“
„Hier ist der Himmel!“
„Wie gut, daß wir im Himmel angekommen sind, denn wir haben großen Durst.“
„Sie können gerne hereinkommen und soviel Wasser trinken, wie sie wollen“, sagte der Wächter und wies auf den Brunnen.
„Mein Pferd und mein Hund als meine besten  Freunde haben auch Durst.“
„Tut mir leid“, sagte der Wächter, „Tieren ist der Zutritt verboten.“
Der Mann war enttäuscht, weil sein Durst so groß war, aber er wollte nicht alleine trinken und alleine seinen nur für ihn geltenden persönlichen Vorteil haben. Er dankte dem Wächter und zog weiter.
Nachdem sie lange weiter bergauf gewandert waren, kamen sie an einem Ort mit einem alten Gatter, das auf einen mit Bäumen gesäumten Weg aus schlicht gestampfter Erde zuging. Im Schatten eines der Bäume lag ein Mann, den Hut in die Stirn gerückt, und schien zu schlafen.
“Guten Tag, sagte der Wanderer, „wir haben großen Durst, mein Pferd, mein Hund und ich.“
„Dort zwischen den Steinen ist eine Quelle!“ sagte der Mann, „ihr könnt nach Lust und Laune trinken.“
Der Mann, das Pferd und der Hund gingen zur Quelle und stillten ihren Durst. Der Wanderer dankte abermals.
 „Kommt wieder, wenn ihr wollt“, antwortete der Mann.
„Wie heißt übrigens dieser Ort?“
„Himmel!“ war die Antwort.
„Himmel? Aber der Wächter am Marmortor hat mir gesagt, daß dort der Himmel sei.“
„Das war nicht der Himmel, sondern die Hölle!“
Der Wanderer war verwirrt und sagte:
„Ihr solltet verbieten, daß sie euren Namen Himmel benutzen! Diese falsche Auskunft wird viel Durcheinander stiften!“
„Auf gar keinen Fall“, war die Antwort des weisen alten Mannes, „in Wahrheit tun die uns einen großen Gefallen. Denn dort bleiben alle, die es fertig bringen, nur an sich selbst zu denken und ihre besten Freunde im Stich lassen! Das ist die Hölle!“

Und in diese Höllen der Einsamkeit haben ein Teil von Euch sogenannte „Kameraden“ mich in meinem Kampf für Euch gebracht! Angeführt  und aufgestachelt von Mitgliedern des eigenen Feuerwehrvorstandes. Und Ihr wollt  auch in Zukunft meine Kameradschaft??? Und ihr wollt die Wehr in Zukunft führen?? Ich kann nur hoffen, daß Ihr nun nicht die Früchte Eurer eigenen Saat ernten werdet!

Nur noch wenige Minuten stehe ich hier vor Euch als Wehrführer der Ratzeburger Freiwilligen Feuerwehr!
Liebe, gute  Freunde in der Feuerwehr Ratzeburg, liebe Kameraden der Feuerwehr, Verläßlichkeit und Einigkeit macht stark, Einigkeit untereinander, Einigkeit auch mit den anderen Hilfsorganisationen, mit denen wir so oft zusammen- zuarbeiten haben und von Jahr zu Jahr immer besser zusammengearbeitet haben, ohne frühere unnötige Konflikte, wie THW, der DLRG, und auch der Polizei, zu denen richtiggehende freundschaftliche Verhältnisse gewachsen sind. Wenn Einigkeit herrscht, ist auch dem Recht der Weg geebnet, und wenn Einigkeit und Recht wirksam werden, ist auch die Freiheit zum richtigen Tun und Handeln gegeben. Diese drei sind, wie es in unserer Nationalhymne richtig heißt, unseres Glückes Unterpfand, das Glück, was ich im Verlauf meiner Rede bereits beschworen habe, das wahre Glück, nicht der egoistische finanzielle Reichtum und deren scheinbare Vorteile, die man sich damit erkauft. Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland, welches wir durch unser Tun als Feuerwehr in  unserer Region beschützen  und dem wir zu Seite stehen bei Unfall, Feuer und Gefahr. Darum laßt uns alle danach streben, brüderlich mit Herz und Hand.  Das ist meine letzte Bitte  und mein Vermächtnis an Euch, darin Eurem Leben einen tiefen Sinn zu geben, daß ihr einmütig in diesem Sinne in der Feuerwehr Euren manchmal doch sehr schweren Dienst tut.
Denn Einigkleit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand. Dann werdet auch Ihr blühen im Glanze dieses Glückes und man kann am Beispiel von Euch voller Stolz sagen: Blühe, deutsches Vaterland.

Ich bitte jetzt alle Anwesenden, sich zu erheben, und mir persönlich als Abschied und Euch als Vermächtnis zusammen und laut vernehmlich und ohne Scham, begleitet von dem großartigen Musikzug der Gemeinde-Feuerwehr von Bad Oldesloe unter Leitung von meinem tüchtigen Kapellmeisterkollegen Brandmeister Günter Zimmer die Nationalhymne zu singen:

Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland.
Danach laßt uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand.
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand.
Blüh im Glanze dieses Glückes,
blühe Deutsches Vaterland.


Ich danke Ihnen allen! Bitte Platz zu nehmen!
+++++
Meine liebe, liebe Ratzeburger Feuerwehr!

Weil ich weiter nicht mehr für Euch tauge,
weich´ ich Führer nun von hier mit nassem Auge
tue dabei noch einen letzten Schnief.
Es wünscht euch Glück: der alte Fire-Chief.

Herr Bürgermeister Michael Ziethen, ich melde eine intakte, leistungsstarke, vorbildliche  und tatkräftige   122 Mann starke Ratzeburger Feuerwehr mit reicher vollständigen Ausrüstung, 13 Einsatzfahrzeugen, einer guten  Kameradschaft zur Kommando - Übernahme an den neuen Wehrführer.

Bitte Sie,  jetzt zur Vereidigung des neuen Wehrführers zu schreiten.  


Meine Arbeit ist getan.
Amen.
 

Top!
Levitra