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Gedichte, Schüttelreime und ironische Verse PDF Drucken E-Mail

(Lübeck, entstanden zwischen 1969-2007)

Kurzpredigt für „Zeitlose“

„Hallehluja!“ sprach kess der Pfaffe,
„der Mensch an sich ist nur ein Affe!
Schon Darwin hat dies weisgesagt. -
Ich  halte das für sehr gewagt.

Denn wie in uns´rer Bibel klar geschehen,
war´n Adam samt der Eva ausersehen,
als Gottgeschöpfte ganz allein
der Menschheit Ursprung uns zu sein.

Diese Gewißheit stimmt uns heiter,
und selbst der Psalm des guten Hirten sagt dies weiter,
daß uns bei diesem Glauben garnichts mangele,
auch nicht erschüttert des Darwins Gequangele.

Erquicket jetzo Eure dürstend  Seele
dadurch, daß jeder von Euch richtig wähle,
statt  Wissenschaft die Rechnung mache mit dem Wirt:
Der Herr  allein ist mein getreuer Hirt!

Geklärt ist nun das ganze „Menschheits-Wie“
spätestens heut´ am Tag Misericordias Domini.
Tragt in die graue Woche diesen Gottes-Samen
als Botschaft uns´res Guten Hirten. Amen!“

Gefilterte Gedanken zum Sonntag Misericordias Domini,
den 25. April 2004
als Meditations- und Predigthilfe
von
Neithard Bethke


Die Schöpfung der Musik

Im heil´gen Psalme hundertfünfzig steht:
„Lobt Gott mit Harfe, Pauken und Trompet!“
Damit dies aber alles wohl getan,
war erst einmal der Herrgott selber dran:

Am ersten Tag also schafft mutig Gott vivace,
doch ohne reichendc Erfahrung, eine  Bratsche.
Handwerklich hat er hier doch sehr gerungen,
darum ist sie noch nicht so ganz gelungen:

Nicht Fisch, nicht Fleisch: Das ist bis heute so geblieben,
weswegen Musiker die Bratschen nicht so richtig lieben.
Doch schon am  zweiten Tag, jetzt mit Routine,
vollendet pfiffig Gott für uns die Violine

aus der Stimmstock-Rippe der Viole,
dies auch dem Streichquartett zum Wohle.
Das Blech der Bläser braucht er sowieso,
denn er plant  zeitig vor für Jericho.

Er hämmert emsig Bleche, Schlag auf Schlag;
wir schreiben gerade erst den dritten Tag.
Die Flöte,  Schlagzeug, Harfe und Klavier
Macht er mit Fleiß alsbald am Tage vier.

Daß man jedoch auch schön zusammenspielt,
schafft er - laut Schrift -  nach seinem Ebenbild
am Freitag nach so vielen Instrumenten
als Krone nun den Taktstock-Dirigenten.

Und sechstens Tages macht sodann den Rest er,
wess´ es noch mangeln könne im Orchester.
Kurzum:  als Letztes dann die große Tuba.
Und Gott, der Herr sah, daß es sehr, sehr gut war.

„Wahrlich, wahrlich, alles ist komplett“!
Müde schleicht der HERR ins warme Bett.
Doch liegt er dort noch ziemlich lange wach:
Er kann nicht schlafen bei dem Höllenkrach,

den tausend von Orchestern  jetzt vollbringen.
Und  jenen Spielern es nicht will gelingen
- weil sie nicht beherrschen das Musikgerät - ,
stören den Herrn im Schlaf durch flehendes Gebet:

So sind es ganz speziell die Bratschen,
die ratlos durch die Partituren latschen,
und schreien laut zum Herrn um dessen Placet:
„Domine Deus! Dona, dona  nobis tacet!“

Schon dringt ein lauter Schrei  an Gottes Ohr:
„Hilf mir, ein Taktwechsel  steht alsogleich bevor!“
Ein Schüler ist´s von Justus Frantz, ein  junger Dirigent,
der hier verzweifelt ruft: „Herr Jesu Christ, dich zu mir wend´t!“

Da reuete den sehr ergrimmten Herrn, was er geschaffen,
und dachte insgeheim: „Warum konnt´  Noah samt den Affen
die holzgebaute Arche  besser nicht verpassen? -
Wer nicht begabt, der soll doch von der  Musik lassen!“

Sie  kann auch uns noch heut´ geruhn zur Bürde:
 „Wenn nämlich  jeder sein Talent entfalten würde“,
hat selbst der Wagner Richard  uns vermeld´t,
„dann wär es allzu laut auf dieser Welt“.

Gereimtes und Geschütteltes
von Neithard Bethke
nach einer entnervenden  Orchester- und Chorprobe
von Bruckners Messe am 26.6. 2004

Das unheilige St. Moritz.

Und violetten glänzt von fern der kreuzbestickte Schal.
Schal sind auch die mundentfleuchten heiligen Sentenzen,
die mir und uns  nun scheinen überhaupt nicht genial
zu sein, wenngleich sie äußerlich auch mögen glänzen
und täuschen können manche arme einfältige Seele,
die gottergeben Amt glaubt und  nicht mit wachem Fleiße übt,
daß kritikvoll und mit Geist man Aspiranten richtig wähle
in angestrebte Positionen. Zu spät ist dann man sehr betrübt.

Den Bauch gab Gott uns nicht alleine zum verdauen
und  - je nach Umfang – ihn  mit Wichtigkeit zu präsentieren,
nein, man sollte ihm doch mehr und mehr  vertrauen,
 wenn  dumpfes Grollen warnend droht zu revoltieren.
„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“,
lehrt uns die heil´ge Bibel weise, welterfahren.
Nun, manches Früchtchen könnte ich benennen,
das besser aufgehoben wäre beispielsweise auf den Balearen.

Dort ist der Frauenkult der Göttinnen noch sehr gepflegt,
da gibt es weder „Vater“ Gott noch aronitisch Segen
nicht mehr „der Herr“ ist das, was tröstend uns bewegt.
Doch  wer wird  segenspendend dort die Hand auflegen?
Sind´s schweizer Nonnen, Priesterinnen, violettbeschalte Prediger,
gestützt etwa vom lauten Schreien tausender von Kindern?
Ich frage: Ist´s besser hier nicht mehr, wenn einer weniger,
oder sind wir schon ein Volk von dösenden und tumpen Rindern?

Den Beste(n)  kann man leider oft nicht immer  haben.
Drum heißt´s : Geduldig warten – Berg  auf, doch auch Berg ab
geht unsers Lebens Lauf. Laßt an der  Muse  uns derweilen laben,
die manchem Grobklotz  nur erscheinet dissonant derob,
weil offene  Kritik er  nicht gelernt hat zu  vertragen.
Der Fisch fängt selbst sich in den  Netzen selbstgelegter Reus(s)en,
kein Advokat hier helfen kann noch  Moritz´  schneebedeckte Lagen
Weitab von violetten Schals öffnen nun wieder wir  unsere Schleusen.


Gereimte Gedanken
 zum turbulenten Jahreswechsel am Donhof
2004/2005
während des Gipfeltreffens in St. Moritz (Wartenberg-Potter)
von
 Neithard Bethke


O du fröhliche

Ein  „O du fröhliche“ ist nun das Sieb
durch das ein jeder Orgelspieler fällt,
wenn man der Pfarrfrau  nicht mehr lieb
und ihr Leben ganz und gar  vergällt..

Ist sie am Christfest  traurig, spielt selber aber fröhlich,
gleich ist man auf keinen Fall mehr selig;
ist jedoch sie munter, und man selber spielt besonnen ,
ist das ganze holde Glück alsbald zerronnen.

Gnadenbringend kann jedoch für sie nur sein,
fernab von jedem fachlichen Vermögen,
wer  ihres Sinnes tätigt immer seine Orgeleien,
selbst, wenn die Organisten anrührend schön Register zögen!

Das alles kann man leicht verschmerzen.
(Es sind ja oft die  Frauen nicht normal).
Mit ihnen eine gute Nachbarschaft verscherzen
ist ein Problem, was bleibt privatim und lokal.

Wenn offensichtlich dann jedoch
das Eh´gesponst im nichtgeprüften Maße
kritiklos übernimmt  ein solches feminines Joch,
auf daß er selber nicht mehr tu´ und lasse,

was ihm als Amtsperson ist aufgetragen,
und einfach folgt der fraulichen Sirene,
kurzum: Das muß ihm auf den Magen schlagen,
und die Frau, die kriegt Migräne.

Denn unser Orgelspieler wehrt sich wohl,
lässt keine fremde Kuh auf seine eigene Weide,
führt ad absurdum diesen unglaublichen Kohl,
auf daß die singende Gemeinde niemals leide.

Ginge wirklich alle Welt verloren,
wäre zur Weihnacht Christus nicht geboren
in jener Pfarrfrau´s Tempo, Farbe und Manie?
Es tut mir leid! Für sie! Das glaub ich nie!

Was aber, wenn er rächend spielen würde
von Crüger-Franck das  „Trotz dem alten Drachen“?
Dann hätte jemand wohl ´ne schwere Bürde
und ganz und gar nichts mehr zu lachen!

Gedanken
über die  Wertschätzung eines Organisten
zum neuen Jahr 2005
von
Neithard Bethke


Oh, Kalkutta

Kalkutta liegt nicht in Arabien,
die Erde ist mitnichten eine Scheibe,
die Orgelpfeifen haben Labien,
der Dompfaff  liebt zu turteln mit dem Weibe.

Das alles ist für uns so unumstößlich klar,
die Wahrheit dieser Dinge wird ja nicht bestritten.
Doch schlimm ist, wenn erklärt  wird es für wahr,
was falsch ist, und  von allen solches wird gelitten.

So wird zum Beispiel frech und unverfroren
Von kirchens (wollt Ihr Namen?) unters Volk gebracht:
“Der Kantor-Organiste B., der ist umsonst geboren,
der Orgeln drei hier haben wir allein gemacht!

Konzerte wuchsen nur auf uns´rem Mist,
wir zahlten auch allein die horrend-hohen Musik-Honorare.
Was hier heute und auch morgen zu bewundern ist,
sind einzig wir, der feine  Domrat, der verdienstvolle und  wahre.

Wir telefonierten bis nach beispielsweise Singapur,
wir gaben gerne unser eignes letztes Hemd,
zu engagieren den berühmten Troubadour,
der an der Scala sang und den die Welt gut kennt.

Aus unserer eigenen Privatschatulle
bezahlten wir die Chor- und  Notenpartituren,
ja, selbst das Bier und Limonade aus der Pulle
kam mit Autos, die wir höchstpersönlich fuhren,

damit nach - künstlerisch von allen hochgelobter Tat -
 den Konzerten in dem (von unsereins gebauten!) Dom
der Musikus auch etwas Trinkbares zum Laben hat
als einen  kleinen und bescheid´nen Lohn.

Das Deutsche Bachorchester holten wir  nach hier,
Musik von uns gab es in Fernsehn, Rundfunk, auf  CD,
 und alles nur, zu haben gut und allerhöchst Plaisier
dem Dom gemäß (denn schlechtgemachte Kunst tut weh!).

Der Mohr (schon abgemahnt?) hat seine Schuldigkeit getan,
sein Anspruch jetzt, den woll´n wir gar nicht leiden.
Hinweg, hinweg mit ihm! Das, was wir von ihm hörten oder  sah´n,

dran soll man denken nicht, das soll man tunlichst meiden.

Konzerte, die womöglich wieder einmal schlecht besucht,
sie hatten doch allein denselben einen Grund,
daß  – Gott bewahr´ uns - seine eig´nen Werke in massiver Wucht
oft auf uns  niederkamen! Das war nun sträflich  ungesund!“

Erneut bewiesen ist, daß Undank ist der Welten Lohn:
„Wie alle Organisten vor ihm will im Domhof 14 er verbleiben!
Verruchter! Nein! Darum soll er nicht länger mehr hier Wohn-
und Leberecht behalten, denn wir werden ihn vertreiben!

Fragt nur nicht Chor, Orchester, Kunstgemeinde,
die sehen falsch, das,  was  als kirchens ich  hier seh´,
Herzkrank und  verschuldet  ist er? Damit man nicht noch greine:
Ich handle strikt nach Vorschriften  von B-A-T.“

Bald kräht nach ihm kein Zwerghahn länger auf dem Mist.
Vergessen ist alsbald der Schwerenot, das ist jetzt prophezeit,
was alles er getan hat,  - und was Du selbst Dir bist:
             Die Kirche bleibt gegründet, all End´ hat Ärger dann mit ihm und Leid.

P. S. : Doch lehrt von altersher gepflegtes Wissen:
Die Lügen haben immer kurze Beine
und bieten nie ein sanftes Ruhekissen,
Kalkutta liegt nun einmal nicht am Rheine!

Lästerliche Gedanken eines Kirchenmusikers
zu Kirchenvorstandsbeschlüssen im November 2004
von Neithard Bethke


1. Coriolis 13

Adapted for organists
by Neithard Be
thke

13.1  Though I played with dazzling dexterity but had not musicality, I am but a sounding pipe, or a tinkling Zimbelstern.

13.2  And though I had the gift of historical purity, and understood all ornaments, and all performance practises, and though I had musicological insight, so I could decipher all problems, and had not musicality, I am nothing.

13.3  And though I played all the pre-Bach to enlighten the blockheads, and though I gave myself to burning the midnight practice oil, and had not musicality, it profits me nothing.

13.4  Musicality is ever patient and is kind; musicality envies not other organists; musicality is not boastful, is not concerned with egotism.

13.5  It does not put on a show at the console, seeks not peer approval, is not easily provoked, it thinks not evil of other organists.

13.6  It rejoices not in others´ failures, but rejoices in all true performance.

13.7  It wears all jeers, believes in goodness, hopes for beauty, endures all things.

13.8  Musicality never fails: but whether there be obscurity musical practices, they shall fail; whether there be eccentric interpretations, they shall come to naught; whether there be pseudo-musicological insights, they shall vanish away.

13.9  For we know in part and we interpret in part.

13.10 But when that, which is perfect, is come, then that which is in part shall be done away.

13.11 When I was student I played as a student, I understood as a student, I thought as a student; but when I became a musician, I put away childish things. 

13.12 For now we hear as through a blurred echo, but then with bright insight. For I know in part, but then I shall have all things revealed, to me and to others.

13.13  And now abideth technique, faithfulness, musicality, these three; but the greatest of these is musicality. 


(Ratzeburg,, 28. 9. 06)
 

 

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